Pressemeldungen Shabby Chic im Fotomuseum München BEATRICE MINDA – FOTOGRAFIEN AUS RUMÄNIEN UND AUS DEM EXIL
[Antikes in der Zeitgenössischen Kunst | Stadtmuseum München] Shabby Chic im Fotomuseum München: Menschenleere Wohn- und Schlafzimmer, deren Einrichtungsstil und persönliche Gegenstände auf die im Bild abwesenden Personen verweisen, ohne jedoch deren konkrete Identität zu offenbaren. Die antiken Möbel und Interieurs mit reich verzierter Ornamentik scheinen das Lebensgefühl der Vergangenheit zu konservieren, sie sind Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Mindas Bilder entstanden allerdings in jüngerer Zeit in Rumänien, Paris, Berlin und München – Antiquitäten und Antikes für die Augen unserer Leser in München im ungewohnten Kontext... Beatrice Minda arbeitet seit 2003 an einer fotografischen Serie, die behutsam Fragen nach dem Verhältnis von Heimat, Exil und Identität sowie der politischen Geschichte eines Landes nachspürt. Die Fotos zeigen menschenleere Wohn- und Schlafzimmer, deren Einrichtungsstil und persönliche Gegenstände auf die im Bild abwesenden Personen verweisen, ohne jedoch deren konkrete Identität zu offenbaren. Der private Raum und die eigene Wohnung hat in dem von Kommunismus und Enteignung geprägten Rumänien eine besondere Bedeutung. In den eigenen vier Wänden lässt sich ein Stück bürgerliche Welt bewahren, sie dienen als Raum der Zuflucht und des Rückzugs. "Hier bleibt der Kommunismus vor der Tür" - wie eine Bewohnerin im Gespräch mit der Künstlerin bemerkt. Auch auf den Bildern, die Innenräume von Exilrumänen zeigen, gilt Mindas Augenmerk dem Bereich, in dem die rumänische Wohnkultur erhalten wurde. In München und Berlin hat sie reduzierte Wohnraumausschnitte festgehalten, die durch kleine Accessoires und Gegenstände aus der Heimat zu identitätsstiftenden Raumarrangements werden. In der Peripherie von Paris wohnen viele der aus ökonomischen Gründen emigrierten Rumänen - die meisten mittellos und ohne festen Wohnsitz - in weniger komfortablen, provisorischen Unterkünften. Diese Wohnhöhlen sind nur aus Holzlatten und Plastikfolien zusammengezimmert, die Wände und Decken sorgfältig mit buntgemusterten Stoffen und anderen zufälligen Fundstücken drapiert: "Alles, was sie beinhalten, ist zusammengetragen. Aber so arrangiert und kombiniert, dass es trotz allem ein Ich umrahmt." (Richard Wagner) Auch hier kann die feindselige bedrohliche Außenwelt nicht eindringen, wird der Wohnraum als intimer Rückzugsort sichtbar. Beatrice Minda geht es bei ihren Raumportraits weniger um die Darstellung individueller Lebensschicksale. Vielmehr nutzt sie die Fotografie - ein Medium des "Konservierens von Zeit" - , um den symbolischen Charakter von Innenräumen zu reflektieren. Die von ihr fotografierten Räume sind bildhaftes Ereignis von Licht und Schatten, Farbigkeit und Stofflichkeit und in ihrer abstrakten Zeitlosigkeit zugleich Zimmer der individuellen und allgemeinen Erinnerung, die synonym für das "Zuhausesein und Zuhauseseinwollen" stehen.
Bild-Info | Beatrice Minda ‘Timisoara' | Rumänien 2004 | © Beatrice Minda
9. November 2007 bis 6. Januar 2008 Münchner Stadtmuseum - Fotomuseum Dienstag bis Sonntag: 10 - 18 Uhr | Montag geschlossen Eintritt € 4,- | Familienkarte EUR 6,- | an Sonn- und Feiertagen freier Eintritt |
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