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Alte Meister

Die Madonna in der Alten Pinakothek


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[Kunst & Antiquitäten Barock]  Ein Madonnenbild aus dem Bestand der Alten Pinakothek ist Anlass für diese Ausstellung, in der glanzvolle Leihgaben, 4 Gemälde und 13 graphische Arbeiten, aus Frankfurt, Madrid, Fort Worth (Texas), Parma, Paris und Wien zu sehen sind. In Auseinandersetzung mit den Schöpfungen der Hochrenaissance und der Antike schuf Parmigianino unvergleichliche Meisterwerke, die ab November in München zu bewundern sind.

Die Alte Pinakothek und die Staatliche Graphische Sammlung München zeigen in einer gemeinsamen Ausstellung kostbare Werke des Francesco Mazzola genannt 'Parmigianino', des ihn umgebenden Künstlerkreises und seines Nachfolgers Girolamo Mazzola Bedoli. Die Graphische Sammlung präsentiert druckgraphische Hauptwerke des Meisters und ihm nahe stehender Künstler. Die herausragenden Exponate stammen zu einem Großteil aus der exquisiten Sammlung manieristischer Graphik von Georg Baselitz. Sie werden durch Blätter aus der Albertina in Wien und aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München zu einer eindrucksvollen Schau ergänzt, die über 80 Werke umfasst.


Francesco Mazzola gen. Parmigianino (1503–1540) zählt zu den bedeutendsten Malern Oberitaliens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In Auseinandersetzung mit den Schöpfungen der Hochrenaissance und der Antike vollzog er während seiner Jahre in Rom (1524-1527) den Übergang zum so genannten Manierismus. Die Zeitgenossen rühmten ihn als neuen Raphael. Ungebrochen ist die Faszination seiner brillanten Malerei. Die innovativen, mit technischer Raffinesse ausgeführten Gemälde Parmigianinos präsentieren graziöse Figuren von idealer Schönheit. Im 1557 publizierten Malereitraktat des Lodovico Dolce heißt es über die Grazie und den Zauber seiner Kunst: »Er verlieh seinen Werken eine gewisse Anmut, so dass sich jeder, der sie sah, in sie verliebte.«

Immer wieder widmete sich der in Parma, Rom und Bologna tätige Meister dem Thema der Maria mit Kind. Bald ein Drittel seiner uns erhaltenen Gemälde sind Marienbilder – private Andachtsbilder ebenso wie große Altartafeln. Die Alte Pinakothek bewahrt ein kleines Madonnenbild, das durch Kurfürst Maximilian I. erworben wurde. Im Inventar seiner Kammergalerie von 1627-1630 ist die »Maria mit Kind und einem Mönch« als Werk Parmigianinos verzeichnet. Sie zählt somit zum ältesten Bestand der Wittelsbach’schen Sammlungen und galt stets als authentische Schöpfung des Meisters. Im 19. Jahrhundert wurde das Gemälde jedoch dem Werkstattgenossen und Nachfolger Parmigianinos, Girolamo Mazzola Bedoli, zugewiesen. Bedoli war seit früher Jugend eng mit Parmigianino verbunden. Er wurde gemeinsam mit ihm ausgebildet, heiratete seine Cousine und übernahm schließlich die Leitung der Mazzola-Werkstatt in Parma. Neue, im Katalog erstmals publizierte Forschungen belegen, dass die alte überlieferte Zuschreibung des kleinen Tafelbildes in der Alten Pinakothek an Parmigianino berechtigt ist. Um diese These zu prüfen und für den Besucher nachvollziehbar zu machen, versammelt die Ausstellung ausgewählte Zeichnungen und Gemälde des Meisters und seines Nachfolgers Bedoli. Sie erörtert auf dieser Grundlage die Zuschreibung, Provenienz und Maltechnik des Münchner Bildes sowie seine Stellung im Gesamtwerk Parmigianinos.

Gleichrangig neben dem malerischen Schaffen stehen Parmigianinos Radierungen und Zeichnungen. Zahlreiche seiner Erfindungen ließ er von Mitarbeitern in den Kupferstich und den Farbholzschnitt umsetzen, so dass sein Werk größten Einfluss etwa auf den Maler Primaticcio und die Schule von Fontainebleau ausübte. In seiner sublimen Ästhetik wirkte es sogar noch auf Künstler des 18. Jahrhunderts. Druckgraphik war Parmigianino jedoch nicht nur ein Medium zur Verbreitung seiner Inventionen in der Zeichnung. Sie war ihm Versuchsfeld, auf dem er die Möglichkeiten der oft soeben erst erfundenen Techniken erprobte und seine gezeichneten Ideen in etwas gänzlich Neues wandelte. Während die Radierung dem Künstler ein freies lineares, dem Zeichnen verwandtes Arbeiten eröffnete – gesteuert aber vom Biß des Ätzwassers –, ergab der Clair-obscur-Holzschnitt im Druck von mehreren Tonplatten plastische Wirkungen gleich einer Pinsellavierung. Formschneider wie Ugo da Carpi, Antonio da Trento und Niccolò Vicentino führten das neue Verfahren rasch auf ein herausragendes künstlerisches Niveau.

Georg Baselitz, einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart, kaufte seit seinem Aufenthalt in Florenz 1965 zunächst einige Blätter des Parmigianino-Kreises – unabhängig von Druckqualität und Erhaltungs­zustand. In einem zweiten Schritt als Sammler wurde seine Auswahl in stärkerem Maße die eines Connaisseurs, und er begann den Kreis um Parmigianino enger zu ziehen. Schon auf dieser Stufe gewann seine Sammlung hohe Reputation, und sie wurde in diversen Ausstellungen einem internationalen Publikum präsentiert. Auf ihrer dritten Stufe, die nun in München dokumentiert werden kann, umfasst die Kollektion von Georg Baselitz das Feinste, was die italienische Druckgraphik des Manierismus bietet und was der Kunstmarkt auf diesem Sektor in jüngerer Zeit zu offerieren hatte. Mit dem sogenannten Album Spencer erwarb der Künstler eine historische Sammlung von Parmigianino-Graphik in kostbarsten Abzügen.

Die Staatliche Graphische Sammlung München erachtet es als besonderen Glücksfall, diese Blätter erstmals einem größeren Publikum vorstellen zu können: ein Fest für die Bewunderer der Kunst Parmigianinos, ein Fest auch für die Freunde druckgraphischer Rarissima und sicher auch ein besonders Ereignis für den Sammler. Im Zentrum der Schau stehen die circa 17 eigen­händigen Radierungen von Parmigianino selbst, von denen Baselitz die meisten teilweise in mehreren Exemplaren besitzt.


22. 11. 2007 - 24. 02. 2008
Ausstellung in der Alten Pinakothek
Kunstareal | Barer Str. 29  |  80799 München  | Tel.  089 23805-0
Öffnungszeiten täglich außer MO 10.00 - 18.00  |  DI 10.00 - 20.00
Eintritt  € 5,50 Euro | Sonntagseintritt 1 EuroJahreskarte für die drei Pinakotheken € 70,-
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