Pressemeldungen
Antikes Glas im Raum München

Glasklar – edles und geschundenes Glas aus fünf Jahrhunderten


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[Kunst- und Antiquitäten München] Eine Sonderausstellung rund um das Thema 'antikes Glas' im Stadtmuseum von Bad Tölz mit Exponaten aus Privatbesitz und dem Stadtmuseum. Flohmärkte und Antikmärkte in ganz Bayern, sowie die Antiquitätengeschäfte in München waren das bevorzugte Revier des privaten Sammlers, der 350 seiner Gläser als Leihgabe zur Verfügung stellte. Die insgesamt ca. 400 Gläser umfassende Ausstellung gibt einen Abriss über die Entstehung von Glas, über edles Glas, geschundenes Glas und Gebrauchsgläser. Eine beachtenswerte Dokumentation in Bayern über Antiquitäten aus Glas...

Emailbemalte Gläser, Jugendstilgläser, Brillantschliffgläser, Biedermeiergläser ... – edle Gläser finden sich vor allem im gehobenen Bürgertum und Adel. In der Sonderausstellung sind vor allem emailbemalte Gläser zu bestaunen. Auf das Trägermaterial Glas wurde eine oder mehrere Schichten der anorganischen Emaillfarbe (bestehend aus Metalloxiden und einem leichtflüssigen Öl) aufgetragen und das Motiv anschließend bei hohen Temperaturen und kurzer Brenndauer eingebrannt. Die dadurch entstandenen Malereien zeichnen sich durch großes handwerkliches Können und eine bewundernswerte Liebe zum Detail aus.


Das 'zünftische' Recht, Privileg und Brauch der Glasmacher, ausserhalb der regulären Arbeitszeit mit dem Rohmaterial und der Erlaubnis des Hüttenhernn Glas für den eigenen Bedarf und zum Nebenerwerb herzustellen, ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts belegt. Produziert wurde fast alles - entweder für den Eigenbedarf, zum Verschenken oder zum Verkaufen. Geschundenes Glas ist zu einem kleinen Teil stilistisch unauffällig und ganz auf Funktionstüchtigkeit abgestellt, wie z.B. Vorrats-, Verwahr- oder Medizingläser. Der größere Teil allerdings zeichnet sich durch eine lebendige Farbigkeit, eine aussergewöhnliche Formgebung und raffinierte Dekors aus. Prächtige Gläser, Vasen, Schalen, Kerzenleuchter und andere, volkstümliche Gläser fanden ihren Weg in Bauernhäuser und Wohnungen von Handwerkern sowie Geschäftsleuten. Volkstümlich sind die geschundenen Gläser sowohl im Rückblick auf den Hersteller, als auch im Ausblick auf den Käufer und den tatsächlichen Gebrauch. Viele der Stücke waren Bestandteile der Brautausstattung, der familiären Festgestaltung und der religiösen Andacht, brauchtümlich also nicht nur in der Herstellungs- sondern auch in der Funktionsphase.
Gebrauchsgläser sind zumeist Formgläser. Als solche werden zumeist Flaschen, Kugeln, Scherzgläser, Becher und Krüge bezeichnet, die in Freihandarbeit mit der Glasmacherpfeife, teilweise auch unter Zuhilfenahme reliefvierter Holzformen gefertigt wurde. Im Isarwinkel ist der 'Tölzer Hochzeitskrug' mehrfach belegt. Als eine Besonderheit gilt hier zum einen das Pressglas, welches im Zeitalter der industriellen Revolution in der Branche auftauchte und bis heute in der Glasproduktion nicht mehr wegzudenken ist. Die andere Besonderheit ist phosphoreszierendes Annaglas, bei dessen Herstellung Uran verwandt wurde und welches bei entsprechendere Beleuchtung kräftig gelb-grünlich reflektiert. Gebrauchsgläser entwickeln für den Sammler einen besonderen ästhetischen Reiz: in Gruppen zusammengestellt, entfalten diese, teilweise maschinell hergestellten Gebrauchsflaschen einen eigenartige atmosphärische Schönheit.
bis 2. März  2008
Stadtmuseum Bad-Tölz  |  Marktstr. 48
83646 Bad Tölz  |  Tel. 08041/504688
Di - So  10 -16 Uhr
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